Wie ist eine „lobenswerte Neuerung (bid’a hasana)“ zu verstehen?
|
Wie ist eine „lobenswerte Neuerung (bid’a hasana)“ zu verstehen?
Frage: Wie ist die Auffassung einer „lobenswerten Neuerung“ (Bidʿa ḥasana)? Wie kann eine Neuerung lobenswert sein? Ist der Mawlid (das Feiern des Geburtstages des Propheten Muḥammad, Allah segne ihn und schenke ihm Heil) ein Teil davon?
Antwort: As-salāmu ʿalaykum wa raḥmatullāhi wa barakātuhu, ich bete, dass dich dies bei bester Gesundheit erreicht. Das Konzept der „lobenswerten Innovation“ (Bidʿa ḥasana) ist im Grunde eine besondere Anwendung der allgemeinen Sunna des Propheten (Allah segne ihn und schenke ihm Heil), in einer Art und Weise, die den Grundlagen prophetischer Leitung nicht widerspricht. Daher ist zum Beispiel ein jährliches Treffen auf religiöser Basis an einem bestimmten Datum (der Einfachheit halber, ohne diese Bestimmung als religiöse Grundlage zu erachten) eine bestimmte Art, die allgemeine Sunna der Verbreitung religiöser Rechtleitung anzuwenden.
Dies gilt auch für erlaubte Formen von Gruppengedenken (Dhikr, welcher von den meisten Mainstream-Gelehrten als lobenswert oder erlaubt betrachtet wird): Die allgemeine Sunna des Gruppengedenkens (Dhikr, so wie es durch eine große Zahl an prophetischen Überlieferungen verstanden wird) wird auf eine bestimmte Art angewendet. Und so weiter. Trotzdem betrachten die Gelehrten die Stichhaltigkeit der Grundlagen für solche Handlungen, die einzelnen Bestandteile und die direkten und indirekten Implikationen der Handlung.
Das Feiern des Geburtstages des Propheten (Allah segne ihn und schenke ihm Heil)
In Bezug auf den Geburtstag des Propheten ist die Grundlage zweierlei:
-
Spezifisch von der Sunna selbst: Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Heil) feierte den Tag der Woche, an dem er geboren wurde (Montag), mit Fasten – warum sollte also das Feiern seines Geburtstages auf erlaubte und gute Weise falsch sein?
-
Generell als Teil des Qurʾān und der Sunna: Dankbarkeit und Freude aufgrund der Segnungen und Geschenke von Allah zu zeigen, die für uns der Prophet (Allah segne ihn und seine Gefährten und schenke ihnen Heil) darstellt.
Wenn wir dem Prinzip folgen, das Allah der Erhabene uns aufgetragen hat, nämlich Dinge, die wir nicht verstehen, den Menschen mit Wissen zu überlassen, so erkennen wir, dass die Gelehrten der vier anerkannten Rechtsschulen die Frage der Zulässigkeit von Mawlid genau betrachtet haben und diese Praxis von ihnen generell als erlaubt angesehen wurde.
Wenn sich jemand damit nicht wohlfühlt, so ist das kein Problem, aber eine weit verbreitete Handlung, die zudem von Gelehrten gebilligt wurde, zu verdammen, ist Grundlage von Spaltung und widerspricht dem etablierten Prinzip: „Es darf keine Verurteilung in Bezug auf jene Angelegenheiten geben, in denen Meinungsverschiedenheit herrscht“ (lā inkār fī masāʾil al-khilāf).
Und Allah alleine gibt Erfolg,
Schaikh Faraz Rabbani