Einige (Fiqh-) Ratschläge zur Beschwichtigung der eigenen Wut
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Einige (Fiqh-) Ratschläge zur Beschwichtigung der eigenen Wut
Frage: Können Sie mir bitte einige Ratschlag geben, wie ich meinen Zorn beschwichtigen kann?
Antwort: Im Namen Allahs, des Eingebers der Wahrheit. Alles Lob gebührt Allah, dem Allerbarmer und Barmherzigen, und alle Segnungen und der Friede seien auf unserem Herrn Muhammad, seiner Familie, seinen Gefährten und denen, die ihnen folgen. Der Zorn wird sowohl von der Scharia als auch von dem gesunden Intellekt als etwas betrachtet, was allgemein tadelnswert ist. Dies ist, warum der Geliebte Allahs ﷺ jenem, der seinen Rat suchten, mehrfach sagte „Werde nicht zornig!“.
Die Gelehrten empfehlen zahlreiche Maßnahmen, um mit dem Impuls des Zorns umzugehen, darunter:
1. Wende dich Allah zu und suche Zuflucht bei Allah vor dem Teufel!
Als ein Mann vor dem Propheten ﷺ zornig wurde, sagte er zu seinen Gefährten: „Ich kenne einige Worte, welche seinen Zorn verschwinden lassen würden, wenn er sie sagen würde. Diese sind: Aʿūdhu billāhi mina sch-schayṭān – ich ersuche Zuflucht bei Allah vor dem Teufel.“ (Bukhārī)
Imam al-Māwardī sagte in Adab ad-dunyā wa-d-dīn, dass man sich im Zorn an Allah erinnern sollte, da dies zu Gottesfurcht führt, welche dazu führt, Ihm zu dienen und die eigene Wut durch die Rückkehr zum angemessenen Benehmen zurückzuhalten. Allah der Erhabene sagt: «Und gedenke Allah, wenn du unachtsam bist.» (al-Kahf, 18: 24).
Wende dich mit Bittgebeten an Allah, um die eigene Wut zu kontrollieren. Man sollte sich mit dem Herzen und der Zunge an Allah wenden und Ihn bitten, den Zorn und alle weiteren niederen Eigenschaften von einem zu entfernen. Wenn du das Bittgebet des Geliebten von Allah ﷺ nutzen kannst, ist es umso mehr geliebt bei Allah.
ʿĀʾischa – möge Allah mit ihr zufrieden sein – berichtete: „[…] der Prophet trat ein, während (ich) wütend war. So rieb er an meiner Nasenspitze und sagte: ‚Meine kleine ʿĀʾischa! Sag: Oh Allah vergib mir meine Sünde, entferne den Zorn in meinem Herzen und beschütze mich vor dem Teufel!‘ (Allāhumma ghfir lī dhanbī, wa-adhhib ghaiẓa qalbī, wa-āǧirnī mina sch-schayṭān).“
2. Schweig!
Sprich nicht, wenn du zornig bist, damit es nicht gegen das Heilige Gesetz verstößt oder entgegen deiner persönlichen oder sozialen Interessen geht. Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Wenn du wütend wirst, schweig!“ (Aḥmad).
3. Verändere deine körperliche Position!
Es wird vom Propheten ﷺ berichtet, dass er sagte: „Wenn du im Stehen wütend wirst, setz dich! Wenn du im Sitzen wütend wirst, leg dich hin!“ Die Weisheit darin ist, dass es einen daran hindert in der Position etwas zu tun was man aus Wut getan hätte.
4. Verrichte die rituelle Waschung!
Der Prophet ﷺ informierte uns darüber, dass Zorn vom Teufel ist und er (der Teufel) aus Feuer geschaffen wurde, sodass wir Wut mit der rituellen Waschung löschen sollten (Abū dāwūd).
5. Befolge den Ratschlag vom Besten der Schöpfung ﷺ!
Sein wiederholter Rat für denjenigen, der diesen bei ihm suchte: „Werde nicht wütend!“ (Bukhārī)
6. Erinnere dich an die von Allah erwähnte großartige Belohnung für diejenigen, die ihren Zorn kontrollieren!
«Und beeilt euch um Vergebung von eurem Herrn und (um) einen (Paradies)garten, dessen Breite (wie) die Himmel und die Erde ist. Er ist für die Gottesfürchtigen bereitet, die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden und diejenigen, die, wenn sie eine Abscheulichkeit begangen oder sich selbst Unrecht zugefügt haben, Allahs gedenken und dann für ihre Sünden um Vergebung bitten – und wer sollte die Sünden vergeben außer Allah? […]» (al-ʿImrān, 3:133-135).
7. Ruf dir in Erinnerung, dass wahre Stärke keine physische ist, sondern eine spirituelle und moralische!
Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Der Starke ist nicht derjenige, welcher andere niederringen kann. Vielmehr ist der Starke derjenige, welcher bei Zorn sich selbst in Zaum halten kann.“ (Bukhārī und Muslim).
Imam Kūmushkhānawī, der große Hadithexperte und spiritueller Lehrer des 19. Jahrhundert, erklärte den Grund dafür: „[…] derjenige, welcher sich selbst beherrschen kann, wenn sein Zorn überquillt, hat den Stärksten seiner Feinde und den Schlimmsten seiner Gegner bezwungen. Aus diesem Hadith haben die Sufis abgeleitet, dass es dem Kenner Allahs obliegt, diejenigen zu ertragen, die ihm schaden – wie z. B. Nachbarn und andere.“ (Lawāmiʿ al-ʿuqūl 4: 23-4).
Imam Barkawī berichtet in seiner Ṭarīqa al-muḥammadiyya, dass die Methode, Neigungen zur Wut zu entfernen, folgende ist: „Das Entfernen der Ursache, was Begierde nach Status, Arroganz und Eingebildetheit ist. Jemand der diese Eigenschaften trägt, wird leichter durch etwas, was andere normalerweise nicht wütend macht, erzürnt.“
8. Erinnere dich an das Vorbild des Propheten ﷺ!
Gedenke der Milde, Nachsicht und unbeschwerten Natur des Propheten ﷺ im Umgang mit anderen, der nicht wütend wurde – außer der Zorn war um Allahs Willen. Die Beispiele für sein Verhalten aus seinem Leben sind unzählige. Die Gelehrten sagen, dass jeder Muslim anstreben sollte, täglich über das Leben und Vorbild des Propheten ﷺ zu lesen.
9. Denke an den Schaden durch Zorn!
Sei dir des Schadens durch Zorn bewusst, welcher zu etwas führt, was Allah an Worten, Taten und unpassendem Benehmen für den Gläubigen als unerlaubt erklärte. Würden wir uns so benehmen, wenn wir uns bewusst wären, dass Allah all unsere Taten sieht? Würden wir uns so in der Präsenz des Propheten ﷺ benehmen?
Imam Ibn Ḥaǧar al-Haytamī – möge Allah sich seiner erbarmen – zählte in seiner Zawāǧir das Zu-Unrecht-Wütendwerden zu einer der größten Sünden.
10. Zorn ist im Allgemeinen etwas Animalisches!
Sei dir dessen bewusst, dass jemand im Zustand des Zorns mehr Tieren, als ehrwürdigen Menschen ähnelt. (Barkawī, Ṭarīqa al-muḥammadiyya).
Beantwortet von Schaikh Faraz Rabbani